Killerspiele, eine Meinung

Written by WarrenFaith on November 30th, 2006

Fangen wir mal im Urschleim an.

Was sind Killerspiele?
In einer Stellungnahme der USK veröffentlicht durch gamestar.de wurde unter anderem erklärt:
Über den Jugendschutz hinaus stellt der § 131 StGB die Herstellung und Verbreitung von gewaltverherrlichenden „Killerspielen“ insgesamt unter Strafe.”
Demzufolge sind Killerspiele schon verboten und jeder, der ein Verbot von Killerspielen verlangt, hat sich definitiv nicht ausreichend mit der Materie befasst.

Wie streng ist unser Jugendschutz?
In der oben verlinkten Stellungnahme wird ebenfalls erklärt, dass unser Jugendschutz schon nach dem Amoklauf in Erfurt verschärft wurde und im Vergleich zu anderen Ländern zu den strengsten gehört.

Mehr staatliche Kontrolle da die USK scheinbar nicht ausreicht?
Wer denkt, dass im Moment die USK nur aus Mitgliedern der Wirtschaft besteht sollte sich dringend die Grundsätze der USK anschauen. Interessant und wichtig ist dabei §2 Absatz 2. Dort ist die Liste der Gremiummitglieder zu sehen. Es gibt laut dieser Liste neben 2 Vertreter von Wirtschaftsverbänden auch noch 2 kirchliche Vertreter sowie 2 Vertreter der obersten Landesjugendbehörde, 1 Vertreter der obersten Bundesjugendbehörde und 1 Vertreter der Bundesprüfstelle für Jugendgefährdende Medien. Das heißt für mich: Es gibt schon staatliche Kontrolle innerhalb der USK und die USK ist damit definitiv nicht nur eine Selbstkontrolle der Spielehersteller.

Wirkungsgrad eines Verbots?
Globalisierung zeigt hier seine Stärke, oder Schwäche, je nach Standpunkt. Dadurch das Publisher heute auch digitale Kopien verkaufen, würde ein Verbot lediglich die Spiele von der Ladentheke entfernen, in die Kinder- und/oder Wohnzimmer würden sie dennoch gelangen. Abgesehen davon würde dieses Verbot einen nicht gerade kleinen Teil der Bevölkerung in die Illegalität drängen. Genauso gut könnte man Zigaretten und Alkohol komplett verbieten. Der Erfolg wäre der gleiche: Man würde so weiterleben wie bisher, nur dass man dann illegal agiert, wenn man Alkohol und Zigaretten konsumiert.
Eine weitere Möglichkeit wäre, jegliche Server von Multiplayerspielen in Deutschland zu verbieten und den Traffic zu sniffen um illegale Multiplayerspiele zu erkennen, die Spieler zu ermitteln und zu bestrafen. Wenn wir soweit sind, dann haben wir 1984 und Neusprech.

Was wir aus Emsdetten lernen können?
Gute Frage. Mir fällt kaum eine Antwort ein, die uns nicht gleichzeitig zeigt, was wir alles falsch machen. Ich frage daher noch: Warum hat keiner seine veröffentlichten Texte ernster genommen? Warum ist es möglich, funktionstüchtige Vorderlader ohne Waffenschein zu kaufen? Warum wird sofort das Killerspiel als der Hauptgrund genannt? Warum ist es immer nur Counterstrike? Warum wird nicht bemängelt, dass er an Waffen ran kam, mit denen er auf Bildern posierte? Warum sind Spiele, in denen Bits und Bytes unterwegs sind, scheinbar gefährlicher als Jagderlaubnis, Waffenschein und Schützenverein?

Studien und Statistiken?
Es gibt meines Wissens nach keine Studie, die belegt, dass Egoshooter gewaltfördernd sind. Es ist auch schon ein Kind gegen den Fernseher gerannt, weil es in der Werbung gesehen hat, wie ein Kind das auch macht. Ist die Werbung verboten worden? Nicht das ich wüsste.
Interessant wäre aber mal eine Statistik, wieviele Mordtaten es prozentual auf alle Nichtspieler gibt und wieviele Mordtaten es prozentual unter Spielern gibt. Diese Statistik wäre nicht repräsentativ, aber interessieren würde es mich schon.

Fazit?
Es ist traurig das gesellschaftliche Mißstände immer erst durch solche Taten diskutiert werden. Schlimm ist, dass immer vorschnell ein Sündenbock ausgemacht wird. Noch beängstigender ist, dass Leute sich zu Verboten positiv äußern, die wahrscheinlich noch nicht mal einem Spieler dabei zugeschaut haben. Fakt ist, es ist weder wissenschaftlich bewiesen, noch widerlegt, dass Egoshooter gewaltfördernd sind. Für mich gilt aber, dass ein normales Konsumverhalten von Spielen in einem halbwegs gesunden sozialen Umfeld sicherlicht nicht zu Gewalttaten verleitet.

Wenn ein Mensch sich in etwas hineinsteigert und in digitale Welten flüchtet, dann ist das eine Reaktion auf Probleme in seinem realen Leben. Es sind Symptome und keine Ursachen. Wenn dort nicht gegengesteuert wird, kann es nur böse enden.

8 Comments so far ↓

  1. Benni sagt:

    Ich habe dazu soeben auch etwas geschrieben:
    http://www.klaile.com/blog/Es-sind-nicht-die-Computerspiele/

  2. robo47 sagt:

    Joa, immer wieder erstaunlich, wie einfach es sich Politiker, Geistliche und Co machen wollen, Hauptsache sie stehen am Ende so dar, als hätten sie was tolles getan, aber hinter der Fassade denkt keiner an die wirklichen Ursachen, das jemand NUR weil er Killerspiele spielt, gleich zum Amokläufer wird, ist ja wohl nicht der Fall, weil sonst bräuchten wir in Deutschland wohl keine Schulen mehr, weil der größte Teil der Schüler sich schon gegenseitig “beseitigt” hätte.

    Ganz nett dazu finde ich die Grafiken von hier:

    http://blog.pantoffelpunk.de/archives/752
    http://blog.pantoffelpunk.de/archives/750
    http://blog.pantoffelpunk.de/archives/748

    mfg
    robo47

  3. WarrenFaith sagt:

    dem letzten Link stimme ich besonders zu. Stoiber animiert zum töten.

  4. WarrenFaith sagt:

    Ich bekomm hier gleich die Krise! Die werten Herren Stoiber und Beckstein haben keine Ahnung!
    Wie in einem Artikel der Netzeitung zu lesen ist, wollen Beckstein und Stoiber ihre Verbote konkretisieren.

    Nach den Vorschlägen Becksteins könnten Herstellung, Vertrieb, Kauf und Nutzung menschenverachtender Computerspiele mit bis zu einem Jahr Haft bestraft werden.

    und

    Wir können uns nicht nur einfach darüber aufregen und darüber philosophieren, dass leider die Gewalt gerade bei jungen Leuten massiv zunimmt (…) und das Einüben von Gewalt in menschenverachtenden Killerspielen dann ermöglichen.

    Scheinbar kennen die Leute echt die rechtlichen Grundlagen nicht:

    (1) Wer Schriften (§ 11 Abs. 3), die grausame oder sonst unmenschliche Gewalttätigkeiten gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen in einer Art schildern, die eine Verherrlichung oder Verharmlosung solcher Gewalttätigkeiten ausdrückt oder die das Grausame oder Unmenschliche des Vorgangs in einer die Menschenwürde verletzenden Weise darstellt,
    1. verbreitet,
    2. öffentlich ausstellt, anschlägt, vorführt oder sonst zugänglich macht,
    3. einer Person unter achtzehn Jahren anbietet, überläßt oder zugänglich macht oder
    4. herstellt, bezieht, liefert, vorrätig hält, anbietet, ankündigt, anpreist, einzuführen oder auszuführen unternimmt, um sie oder aus ihnen gewonnene Stücke im Sinne der Nummern 1 bis 3 zu verwenden oder einem anderen eine solche Verwendung zu ermöglichen,
    wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.

    (2) Ebenso wird bestraft, wer eine Darbietung des in Absatz 1 bezeichneten Inhalts durch Rundfunk, Medien- oder Teledienste verbreitet.

    (3) Die Absätze 1 und 2 gelten nicht, wenn die Handlung der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte dient.

    (4) Absatz 1 Nr. 3 ist nicht anzuwenden, wenn der zur Sorge für die Person Berechtigte handelt; dies gilt nicht, wenn der Sorgeberechtigte durch das Anbieten, Überlassen oder Zugänglichmachen seine Erziehungspflicht gröblich verletzt.

    Das solche Leute uns als Volk vertreten ist peinlich für Deutschland.

    Danke für den Artikellink @Attila

  5. WarrenFaith sagt:

    Yeah weiter gehts…

    Wie man bei Spiegel.de lesen kann hat Beckstein noch mehr schöne Dinge gesagt:

    In diesem Punkt sieht Beckstein zu viel Spielraum. Deshalb heißt es im Entwurf des Bayern: “Wer Computerspiele, die es den Spielern als Haupt- oder Nebenzweck ermöglichen, eine grausame oder die Menschenwürde verletzende Gewalttätigkeit gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen auszuüben, verbreitet, [...] herstellt, bezieht, liefert [...], wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe bestraft.” Der Schwerpunkt liege bei dieser Formulierung auf dem “aktiven Handeln des Spielers”, sagte Beckstein zu SPIEGEL ONLINE.

    Und dafür geb ich ihm ne 1+ als Note. Nun wissen wir auch von ihm, dass Krieg menschenunwürdig und grausam ist. Wer erklärts jetzt noch den Amis, den Religionen, den Sekten, den Kapitalisten, Kommunisten, Sozialisten und Diktatoren?

  6. Archat sagt:

    tjo was soll ich sagen.. ich weiß doch, was dich aufregt ;) Ne im Ernst.. das Recht auf freie Selbstbestimmung unter den Restriktionen des kategorischen Infinitivs sollte eigentlich eines der Grundpfeiler unserer Gesellschaft sein.. zumindest verweist das Grundgesetz auf entsprechende Ideale. Nunja, ich bin kein Freund von Schwarzmalerei und dem ewigen Anbringen von Schlagwörtern wie “Sicherheitsstaat” oder “Orwell” oder “Notstandsgesetze zum Schutz der gesellschaftlichen Freiheit”, aber ab und an frag ich mich schon, wo das ganze hinführt. Ich mein, dass Fremdbestimmung auf Dauer nich so der Bringer is, haben auch hier in Deutschland einige Leute zu spüren bekommen, als immer wieder montags erst mehr, später etwas weniger spontan einige Interessengruppen lustige Wandertouren an die Grenze unternommen haben zur Untermauerung ihrer Überzeugungen. Dass uns weder die Ungarn noch die Franzosen in der aktuellen Frage weiterhelfen, dürfte klar sein… doch sind solche Fragen, wie die diskutierte mal wieder ein durchaus eher deutsches Phänomen: wir haben offensichlich sonst keine wirklichen Sorgen..

    So far
    Archat

  7. WarrenFaith sagt:

    Auch sei das viel diskutierte Computerspiel «Counterstrike» nicht mehr als «Räuber und Gendarm auf dem Bildschirm». Dass da virtuell geschossen werde «ist nicht viel anders als das, was uns «Casino Royal» und James Bond aktuell auf der Leinwand zeigen», meinte der Wissenschaftler.

    Dank eines Artikels bei der Netzeitung kann ich wieder an das Gute in der Politik glauben. Aber wie immer ist es das Konservative Lager, dass so sinnlose Beiträge ablässt…

  8. [...] Der Kerl plus Anhang sollten in Therapie gehen. Erst sinds die Killerspiele (bei denen waren aber Beckstein und Stoiber deutlich aktiver waren), dann ist das Internet ein Terrorcamp deswegen muss man gleich alles und jeden unter Generalverdacht stellen, dann soll die Bundeswehr nicht nur bei Naturkatastrophen helfen sondern auch noch die natürliche Selektion am Himmel unterstützen. Bald werden noch Parteizentralen, Kulturzentren und Trödelmärkte zerbombt. Das Interview mit Schäuble ist zwar schon ein dreiviertel Jahr alt, aber es lohnt sich zu lesen. Paranoid, Weltfremd und einfach nur uninformiert. [...]

  9. Gamer sagt:

    So hab nurn Test gemacht ob das hier wirklich funzt.
    Die USK kann mir mal auf gut Deutsch denn
    A-R-S-C-H …. lecken!!! Sie ruiniert nur denn Markt!!!
    Immer mehr Leute , naja ich würd sagen 60 oder sogar 70% prozent kaufen sich Games aus Ausland. Österreich und der Schweiz zb.: ich habe keine lust Geld für ein zensiertes Spiel auszugeben. DAS IST DIE HÖHE wenn man ein Spiel ab 18 freigegeben wird und noch dazu zensiert wird. Ich meine gehts noch?
    Wieso werden Filme wie SAW nicht verboten. Ich selber spiele Gears of War oder Call of Duty 4 doch was ich in dem Film SAW gesehen hab, musst ich als 20 Jähriger die Augen zumachen weil das abartig ist was die da zeigen. Ich finde das ein 18 Jähriger selbst entscheiden darf was er sehen kann und was nicht. Jeder hat doch seine Freiheit!!! Und was mir besonders am Nerv geht ist das solche Spiele mit dem Namen KILLERSPIELE bezeichnet wird ! Da geht es nicht um: Wieviele Pixel ( ich sage Pixel und nicht Menschen weil es für mich keine Menschen sind sonder PIXEL !!! )man tötet, SONDERN weil man da eine bestimmte Szene sagen wir mal aus WW2 nachspielt und es viel besser fühlen und erleben kann. Sobald einer über Kriegsshooter spricht und das Wort Killerspiele benutzt.. AHA das weis ich das er keine Ahnung davon hat und die eins gespielt hat.
    Ich habe von dem Spiel Brothers in Arms viel mehr über die Operation Market Garden gelernt als von nem Buch oder besser gesagt man lernt mehr über den 2 Weltkrieg wenn man Spiele spielt wie Call of Duty ! Da weiss man ja auch wie es dennen genauer ergangen ist. ihr habt doch keine Ahnung von den Spielen ( ich meine USK diesen Politikern und von den Kackboon Eltern die angst um ihre 11 jährigen Tina haben <- zb.: ) . Das schneiden von den spielen nutzt der USK garnichts, DENN wir werden weiter import machen und die Spiele von wo anders holen. Jeder hat recht Spiele zu spielen , ich würde 14 Jährigen auch spiele ab 18 erlauben, ich würde als Vater dann nachsehen ob er sowas erträgt und sich danach normal verhaltet ! 2 % der Jugendliche kommen mit solchen sachen nicht klar ! ich habe meinen ersten Ego-shooter mit 12 gespielt und was bin ich jetzt Amok gefährdet !? nein. ich habe einen Gymnasienabschluss, gehe jetzt sogar auf ner Offiziers Akademie !!! Und hört auf euch zu beschweren. Achtet auf die Filme und die Lieder die heute gezeigt und präsentiert werden. Und zb bei diesem einen Amoklauf was da mal war, der Junge hat nicht Killerspiele gespielt sondern World of Warcraft , das ist ab 12 Jahren ….. mehr brauch ich nicht zu sagen oder oO ???

    MFG

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